Fukushima und die Betroffenheitsmasche der Atomlobby

Angesichts der apokalyptischen Bilder aus dem Norden Japans und den emotionalen Bildern der Opfern fragen wir uns natürlich auch, was man jetzt am Besten machen könnte oder sollte. Die Interviews mit den hoch disziplinierten und sehr selbstbeherrschten Japanern gehen sehr zu Herzen.

Da möchte man am liebsten sofort etwas tun, was den Betroffenen vor Ort hilft und nicht einfach nur auf offensichtliche Mängel, die durch die Atomlobby verursacht worden sind hinweisen. Wir gehen davon aus, dass Deutschland in den nächsten Wochen, über das 40 Mann starke THW-Team hinaus, immer mehr praktische Soforthilfe nach Japan senden wird. Wir werden das natürlich mit den uns zur Verfügung stehenden Kräften unterstützen.

Wer meint, dass man aus Pietät den Opfern gegenüber jetzt lieber nur schweigen sollte, kann das gerne tun.

Wir meinen dagegen, dass man nicht der Betroffenheitsmasche der Atomlobby erliegen sollte. Es handelt sich hier nicht nur um eine unvermeidliche Tragödie, ein zufälliges Naturereignis, sondern auch um die Folgen von menschlichen Versagens und reiner Profitgier. Wir werden deswegen auch weiterhin darauf hinweisen, welche Faktoren aus einer Naturkatastrophe nun eine drohende Atomkatastrophe gemacht haben:

Im Falle einer Reaktorkatastrophe aber, wodurch auch immer sie ausgelöst wurde, fehlt genau dieser entscheidende Faktor: die regionale Begrenzung. Einmal entwichene Radioaktivität kann nicht einfach wieder eingefangen werden, sie kann aber, je nach Ausmaß des Ausstoßes, viele fremde Länder und ihre Menschen in Mitleidenschaft ziehen.

- Die Tokyo Electric Power Company (Tepco) ist der größte Energieproduzent Japans. In der Vergangenheit machte das Unternehmen mehrfach negative Schlagzeilen durch falsche oder zögerliche Informationspolitik bei Störfällen und Routineinspektionen.
- 2002 mussten der Präsident des Unternehmens und vier weitere leitende Manager zurücktreten, weil jahrelang Sicherheitsprotokolle gefälscht worden waren. Dem 1951 gegründeten Unternehmen wurde vorgeworfen, 29 Reparaturberichte gefälscht zu haben. Fünf Reaktorblöcke mussten zeitweilig abgeschaltet werden – darunter auch Fukushima 1.
- Vier Jahre später geriet Tepco erneut wegen Fukushima 1 in Erklärungsnot. Damals ordnete die Regierung eine Nachprüfung der Kühlwassertemperatur-Berichte aus den Jahren 1985 und 1988 an. Gefälschte Angaben sollen auch den Inspektoren bei den regelmäßigen Kontrollen vorgelegt worden sein. 2007 sprach der Energieversorger selbst von weiteren gefälschten Daten – bei diesen beiden Vorfällen wurden jedoch keine Kraftwerksabschaltungen angeordnet.
- Fukushima 1 ist 40 Jahre alt: Fukushima 1 liefert bereits seit fast vier Jahrzehnten Strom – der Siedewasserreaktor ging im November 1970 ans Netz.

Es handelt sich hier also um einen Energieversorger, der jahrelang kriminelle Aktionen im Unternehmen geduldet hat. Wer meint, dass dies nur im 9000 km entfernten Japan passiert, sollte sich von Ranga Yogeshwar eines Besseren belehren lassen:

40 Jahre Vertuschen und Versagen

Die deutsche Atompolitik und die Energieversorger: Eine Geschichte gemeinsamer Interessen

Quelle: Quarks&Co

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