Regierung erwägt Laufzeitverlängerung um 28 Jahre

BRD

Atomkraft – Laufzeitverlängerung trotz Sicherheitsdefiziten

Die Bundesregierung will die Atomkraftwerke länger am Netz lassen. Experten warnen vor hochgefährlichen Sicherheitsdefiziten der gut 30 Jahre alten Meiler.

Einen interessanten Fernsehbericht von “Kontraste” über die Sicherheit der alten Atomkraftwerke ist im rbb ausgestrahlt worden. Hier wird offengelegt, wie der TÜV-Süd, die Prüfungen an den alten Atomkraftwerken durchführt:

“… Experten warnen vor hochgefährlichen Sicherheitsdefiziten der gut 30 Jahre alten Meiler. (…) Nach den Berechnungen von Professor Kromp ist der Reaktordruckbehälter zu schwach ausgelegt. Neueste Studien der Technischen Universität in Berlin untermauern seine Sorge. Die Belastungswerte einer zentralen Schweißnaht sind alarmierend. (…) Während man nun in Deutschland über die Anzahl der zusätzlichen Jahre auch dieser Billigreaktoren diskutiert, warnt man im Nachbarland Österreich vor jeglicher Laufszeitverlängerung dieses Reaktortyps.
(…)
Oskar Grözinger, Landesatomaufsicht Baden-Württemberg
„Während des Betriebs wird der Behälter regelmäßig alle paar Jahre überprüft und zwar nach den jeweils neuesten geltenden Prüfstandards.“
KONTRASTE
„Dort, wo ich nicht hinkomme, kann ich nicht prüfen.“
Aus dem Off
„Cut… wir haben gesagt: Keine Nachfragen!“

Der Mann im Hintergrund ist vom TÜV. Er untersagt seinem Auftraggeber, dem Chef der Atomaufsicht, die Beantwortung der Nachfrage.
Das Interview wird abgebrochen. Im Nachgang stellt sich heraus, die kritische Stelle wird am Behälter in Philippsburg lediglich alle vier Jahre geprüft – und das nur von außen.

(…)

Sieht man dann auch noch, wer über zwei Drittel der Aktien der TÜV-Süd AG hält, dann wird einiges klarer: Es ist der TÜV Süd e.V. Er sitzt gleich mit in der Konzernzentrale. Und die Mitglieder des Vereins sind unter anderem die Energiekonzerne: Eon, Vattenfall und EnBW.
Also die Betreiber der vier umstrittenen Atomkraftwerke.

…”

Zitat aus der Zeit-Online vom 26.03.2010: (PDF Download)

Das Kabinett prüft, die AKW-Laufzeitverlängerungen deutlich großzügiger zu gestalten. Die deutschen Meiler könnten demnach bis 2050 am Netz bleiben.

Das atomfreundliche Lager in der Union hat sich offenbar gegen Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) durchgesetzt. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, haben sich Umwelt-, Wirtschaftsministerium und Kanzleramt darauf verständigt, Gutachter vier Szenarien für eine Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke errechnen zu lassen. Diese sollen eine Laufzeitverlängerung um vier, zwölf, 20 und 28 Jahre prüfen. Ursprünglich hatten die Koalitionäre Verlängerungen von fünf, zehn, 15 und 20 Jahren durchrechnen lassen wollen.

Die schwarz-gelbe Koalition hat eine AKW-Laufzeitverlängerung in Aussicht gestellt, um die Zeit zu überbrücken, bis genügend erneuerbare Energie zur Verfügung stehe. Sie arbeitet derzeit an einem energiepolitischen Gesamtkonzept, auf dessen Grundlage ab Herbst die Entscheidung über die Laufzeiten für Kernkraftwerke in Deutschland getroffen werden soll.

Der geltende, noch von Rot-Grün und den AKW-Betreibern ausgehandelte Atomkompromiss sieht Regellaufzeiten von 32 Jahren vor. Nach ihm würde der letzte Reaktor etwa 2022 abgeschaltet. Bei einer Verlängerung um 28 Jahre ergeben sich somit Gesamtlaufzeiten von 60 Jahren. Das würde bedeuten, dass das letzte Atomkraftwerk ungefähr im Jahr 2050 vom Netz ginge.

Bei den nun festgelegten Szenarien handele es sich “lediglich um vorläufige Berechnungen”, sagte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) der SZ. “Damit ist noch keine Vorentscheidung getroffen.”

Röttgen tritt für eine deutlich knapper bemessene Verlängerung ein. Laut einem Bericht des Handelsblatts erklärte er sich aber bei einem Gespräch mit Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) bereit, Szenarien für vier, zwölf, 20 und 28 Jahre errechnen zu lassen. Die Unionsfraktion hatte sich zuvor dafür ausgesprochen, auch eine Verlängerung um bis zu 28 Jahre zu erwägen.

Experten warnen vor hochgefährlichen Sicherheitsdefiziten der gut 30 Jahre alten Meiler.

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